Heute ist es soweit: Mein letzter Tag im Kulturmarkt. Ich gehe gern und wäre gern geblieben. Ein Abschied mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

Von Frau S.

Es ist ein ständiges Kommen und Gehen im Kulturmarkt. Allein wegen des lebendigen Kulturbetriebs weibeln ständig neue Leute durchs Haus, teils Organisatorinnen von Veranstaltungen, Schauspieler oder Menschen, die Räume gemietet haben. Und dann gibt es noch das Team: Die Festangestellten, die alles im Griff haben und am Laufen halten, und die «Temporären», also Leute wie ich, die stellenlos sind und die für eine Strecke ihrer Zeit am Ganzen mitarbeiten. Temporär angestellt hiess für mich 9 Monate, die ich im Haus verbringen durfte. Während dieser Zeit habe ich viel gelernt, viel getan, hatte viele gute und wenige nicht so gute Tage.

Jetzt ist auch meine Kulturmarkt-Zeit abgelaufen und eine melancholische Stimmung überkommt mich, denn das Schwerste in der Zeit, die ich im Kulturmarkt arbeitete, waren für mich die vielen Abschiede. Egal, ob die Leute aufhörten, im Kulturmarkt zu sein, weil sie eine Stelle gefunden hatten oder schlicht und einfach die bewilligte Zeit abgelaufen war, selten waren die Abschiede fröhlich. Meist hatten wir noch ein Gespräch, das gegenseitige Versichern, in Kontakt zu bleiben, oft genug Tränen.

Für die, die gingen, bedeutete der Weg hinaus entweder der Beginn eines neuen, unbekannten Lebens-Arbeits-Abschnitts oder der Gang zurück an den heimischen Computer, an dem man die vielen Bewerbungen nun wieder allein verfassen würde (die vielen Absagen allein entgegennehmen würde). Als Zurückgebliebene freute ich mich für jene, die eine Stelle gefunden hatten. Und doch hatte ich immer das nagende Gefühl in mir, ob ich das selbst je schaffen würde. Immerhin hatte ich ein ganzes Jahr ohne Stelle mit nur einem Vorstellungsgespräch. Jetzt habe ich es geschafft. Kurz bevor meine Kulturmarkt-Zeit abgelaufen ist, habe ich eine Stelle gefunden. Da sollte es mir doch etwas froher zumute sein, oder?

Denn ich kann auf eine unbeschwerte und fröhliche Zeit im Kulturmarkt  zurückblicken. Hier habe ich in 9 Monaten so viel erlebt, wie sonst in mehreren Jahren. Ich durfte mich als Gestalterin austoben – von geschnitzten «Gemüsetieren» bis hin zu gebastelten Segelbooten als Botschaft für die Restaurantferien, von einer albernen Bildbeschreibung bis hin zu Theaterplakaten. Und das immer im Team. Mit meinen Ideen konnte ich andere anstecken und habe mich von anderen anstecken lassen. Gemeinsam haben wir das Haus verschönert, Wimpelketten gefädelt und Flipflops zum Werfen am Kulturmarktfest vorbereitet. Und natürlich haben wir geholfen, den Kulturbetrieb am Laufen zu halten. Das war eine wunderbare Aufgabe, so nah am Beruf und so fern von den Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe. Es ist möglich, Leistung zu bringen und trotzdem Freude am Tun zu haben, es ist möglich, morgens ohne ein schlechtes Gefühl in der Magengegend die Arbeitsstätte zu betreten und abends zufrieden nach Hause zu gehen, in der Gewissheit, dass auch der nächste Tag erfüllt sein wird.

Dafür danke ich Euch allen. Zu allererst den «Festangestellten» im Kulturmarkt, die mit Kompetenz, Erfahrung, Einsatz und Engelsgeduld den Kulturmarkt am Laufen halten, die unterschiedlichsten Leute unter einen Hut bekommen und dafür sorgen, dass die «Temporären» ihre jeweilige persönliche und berufliche Situation verbessern können. Und Dank auch allen Mitstreitern und Mitstreiterinnen, die ich im Laufe meiner Kulturmarkt-Zeit kennengelernt habe. Bleibt stark und mutig, ausdauernd und – fröhlich. Ich wünsche Euch allen das Beste und uns allen einen Job mit so einem Team, wie ich es hier im Kulturmarkt erlebt habe.

Und jetzt freue ich mich auf das, was kommt, und ich bin sicher, dass ich viele von uns wieder treffen werde.

Herzlich, Eure S.