Vom Zirkusclown zum Theater-Tontechniker

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Vom Zirkusclown zum Theater-Tontechniker

Stanley Hügi (39) war von September 2016 bis Februar 2017 temporärer Mitarbeiter in der Veranstaltungstechnik des Kulturmarkts. Während dieser Zeit schrieb der Basler die Bewerbung, die ihm seine heutige Stelle als Tontechniker beim Luzerner Theater verschaffte. Zeit, dem ehemaligen Kulturmarkt-Sohn ein paar Fragen zu stellen.

Mit Stanley Hügi sprach David Marti (Bilder Anna Kane, David Marti)

 

Stanley, mit welchen Gefühlen hast du heute den Kulturmarkt betreten?

Mit einem sehr guten Gefühl. Bei der Zeiterfassung wollte ich erst einstempeln, Macht der Gewohnheit. Hauptsächlich hatte ich bei allem Ernst viel Spass hier.

 

Wie sieht deine Arbeit beim Luzerner Theater aus?

In erster Linie bin ich für die Tontechnik verantwortlich. Also den Ton fahren, Equipment auf- und abbauen, verkabeln und mikrofonieren und dergleichen. Bin aber auch beim einleuchten dabei. Zudem betreue ich bei Bedarf die Schauspieler und Künstler oder kümmere mich um die Disposition.

 

Wie unterscheidet sich deine Arbeit als Tontechniker beim Luzerner Theater von deiner ehemaligen beim Kulturmarkt?

Das Equipment und die Arbeit ist sehr ähnlich im Luzerner Theater. Wir fungieren als aussen Spielstätte vom Theater. Das Bühnenbild ist sehr speziell, das Dach der Box steht auf vier Säulen und die aussen Wänden können alle aufgemacht und auf Schienen verschoben werden. So kann man zum Beispiel einen Raum im Raum machen. In den Säulen befindet sich die ganze Technik und unser Lagerraum. Wir haben somit ein sehr begrenztes Platzangebot und müssen daher öfters was basteln um den Anforderungen gerecht zu werden. Wir haben gerade für das letzte Stück einen Plattenspieler (alter Kofferplattenspieler) technisch so verändert, damit die abgespielte Platte auf der Musikanlage spielt und aber auch der Sound vom Mischpult wieder auf dem Lautsprecher des Plattenspieler erklingt.

 

«Man muss im Kulturmarkt was tun, um was zu lernen.»

 

Was ist wohl das übelste, was einem Tontechniker passieren kann?

Das Pfeifen beim Feedback (Rückkoppelung), oder die Batterie beim Mikrofon gibt den Geist auf.

 

Schon vorgekommen?

Tatsächlich musste ich schon während einer Veranstaltung auf die Bühne und zwei Batterien in das Funkmikrofon fummeln. Da es sich aber um eine Publikumsdiskussion handelte, war das nur halb so schlimm.

 

Was machst du in deiner Freizeit?

Mit dem Hund spazieren gehen. Ich mag die Natur; den Wald, die Seen und Berge. Ich schaue gerne Filme (Bsp. Mad Max: Fury road) und Serien (Bsp. Breaking Bad).

 

Was rätst du temporären MitarbeiterInnen des Kulturmarkts?

Man sollte motiviert sein, seine Arbeit zu machen. Auch unter Umständen die Arbeit selber suchen. Man muss im Kulturmarkt was tun, um was zu lernen.

 

Wie bist du zum Ton gekommen?

Bei meinem Hobby als DJ oder im weiteren Sinn als Veranstalter von Partys war ich von Technik und Sound umgeben. Mein erster Job war beim Fernsehen und es hat mir schon damals in der Branche sehr gut gefallen.

 

Bist du ein Theatermensch oder ist dein Bezug zum Theater ein technischer?

Ein technischer, aber in der letzten Zeit gefällt mir Theater immer mehr.

 

Du scheinst eine konsequente berufliche Laufbahn verfolgt zu haben.

Nicht unbedingt. Als 6-Jähriger war ich Clown in einem Zirkus. Ich trat zusammen mit meinem Vater in einer Clown Nummer auf, balancierte eine Flasche auf einem Stock und beim Rausgehen, nahm ich den Stock über die Schulter und das Publikum sah, dass die Flasche am Stock festgemacht war, woraufhin mich mein Vater mit einem angedeuteten Tritt aus der Manege scheuchte. Meine Mutter war das Nummerngirl und meine Schwester, sie war noch sehr klein, hatte auch mal einen Auftritt, mein Vater brachte sie in einem Koffer auf die Bühne und sie sprang raus. Ich hab schon früh meine Erfahrungen im Showbusiness gemacht und bin mit meinen Eltern sehr oft gereist und umgezogen. Bin aber dann durch Umstände in der Spedition gelandet und war dort fast zehn Jahre tätig.

 

Du musst viel herumgekommen sein.

Im Zirkus, durch die ganze Schweiz, aber schon vorher als Kleinkind tingelte ich mit meinen Eltern durch die Schweiz, Jugoslawien und Italien. In Bibione (Italien) war ich sogar für ein Jahr im Kindergarten und vorher lebten wir bei Bekannten im Tessin, die einen Privat Zoo besitzen, in einem Wohnwagen nur wenige Meter von den Löwen entfernt. Ich kann mich sehr gut an die Nächte erinnern, wenn die Löwen und Affen brüllten und man sich wie im Dschungel fühlt. Mein Vater trat in vielen Nacht Clubs als Komiker auf. Später mit 16 ging ich mit meinem Vater nach München und lebte dort 14 Jahre lang.

 

«Wenn alles läuft niemand und merkt, dass ein Techniker dahinter steckt, bin ich stolz.»

 

Somit bist du ein Mann des Show-Business?

Nun, zumindest habe ich daran geschnuppert. Ich war beispielsweise mal Statist bei einem Film, bei Arabella Kiesbauers Talk-Show in München habe ich vor und hinter der Kamera gearbeitet und bei der 75 Jahre Feier der Bavaria Filmstudios, traten meine Schwester und ich auf der Bühne auf.

 

Und hast du Arabella auch kennengelernt?

Ja, lustige Geschichte. Die Sendung wurde live aufgezeichnet, was bedeutet, dass eine Werbepause für die Fernsehzuschauer auch uns eine Pause verschaffte. In einer Show die unterbesetzt war, musste ich als Zuschauer ins Publikum sitzen um dessen Anzahl optisch aufzustocken. Da setzte sich Arabella in der Pause auf meinen Schoss, alle guckten zu mir und ich bin voll Rot geworden.

 

Was gefällt dir an deiner Arbeit?

Wenn alles läuft und niemand merkt, dass ein Techniker dahinter steckt, habe ich eine gute Arbeit geleistet. Läuft es mal nicht, dann ist meist der Techniker der schuldige, obwohl ich manchmal nichts dafür kann. Man sieht nicht wie viel Arbeit dahinter steckt bis alles reibungslos läuft, andererseits bekomme ich auch öfters ein Lob, wenn ich mit meinen zwei Bands unterwegs bin, oder nach einer Vorstellung.

 

Wie steht’s mit deiner Ausbildung?

Im August mache ich die Abschlussprüfungen, Audio Engineer Diploma am Weiterbildungszentrum, SAE Institute Zürich.

 

Stehst du früher oder später auf als während deiner Zeit im Kulturmarkt?

Später. Meist stehe ich später auf, da meine Arbeitszeiten an Vorstellungstagen von 14 Uhr bis 22 Uhr dauern. Aber es gibt auch «normale» Arbeitstage von 9-17 Uhr.

 

Welche Fähigkeiten und Erfahrungen hast du im Kulturmarkt gewonnen?

Sicherheit im Umgang mit der Technik durch die tägliche praktische Arbeit. Ausserdem durfte ich auch Erfahrungen mit der Lichttechnik machen. Auf dem Arbeitsmarkt ist das eine gefragte Fähigkeit.

 

Du bist ja Basler, was gefällt dir an Luzern?

Die Landschaft ist bombastisch: die Berge und der See. Die Leute sind nett und die Stadt ist einfach klein und süss.

 

Und was an Zürich?

Der See und die Leute, die aufgeschlossen, aufmerksam und cool sind. Dazu hat Zürich noch den Grossstadt-Bonus. Ich mag Grossstädte, ich war ja einige Jahre in München. Momentan lebe ich auf dem Land und geniesse dort die Ruhe und die Nähe zur Natur. Wir haben eine bombastische Aussicht auf den Pilatus, Rigi und Co.

 

 

Blitzrunde:

Am Feierabend mache ich…

…chillen

Als erstes am Morgen..

…Kaffee und Zigarette

Freizeit ist…

… relaxen und Zeit für mich

Arbeit ist …

… Spass

Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang?

Sonnenaufgang.

Berge oder Meer?

Meer.

 

2017-11-08T09:51:15+00:00

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